Wie kirchliche Beratungsstellen 2026 bei Schuldenhilfe unterstützen: Aktuelle Angebote und Leistungen
Kirchliche Beratungsstellen verstärken 2026 ihre Unterstützung für Menschen in finanziellen Notlagen. Im Fokus der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung vom 15. bis 19. Juni 2026 steht das Pfändungsschutzkonto (P-Konto), das Betroffenen den Zugang zu ihrem Geld sichern soll. 1 Die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) macht dabei auf anhaltende praktische Probleme aufmerksam: Kontoumwandlungen erfolgen verspätet, gesetzliche Freibeträge werden nicht rechtzeitig berücksichtigt, und geschütztes Guthaben bleibt blockiert. 2 Kirchliche Organisationen wie die Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann und die Caritas Paderborn-Höxter sehen hier dringenden Handlungsbedarf und unterstützen Betroffene aktiv bei der Lösung dieser existenziellen Probleme.
Die Aktualität des P-Konto-Problems in 2026
Deutschland verzeichnet monatlich rund 300.000 bis 350.000 Kontopfändungen. 3 Viele dieser Betroffenen sind auf das P-Konto angewiesen, um ihr Existenzminimum zu sichern. Die Diakonie Altenkirchen erläutert, dass das P-Konto einen gesetzlich festgelegten monatlichen Grundfreibetrag automatisch vor Pfändungen schützen soll. 4 Für Menschen mit Unterhaltsplicht oder besonderen Lebenslagen können erhöhte Freibeträge gelten. In der Praxis müssen Kontoinhaber jedoch aktiv die Umwandlung in ein P-Konto beantragen. 5 Ohne diese Umwandlung werden Miete, Energieversorgung und Lebensmittelausgaben gepfändet. Die Diakonie Duisburg berichtet, dass in ihrer Stadt allein 2025 rund 67.000 Menschen mit Schulden lebten, und 811 davon suchten ihre Beratung auf. 6 Solche Zahlen verdeutlichen die große Relevanz der kirchlichen Schuldenhilfe.
Umfassende Leistungen kirchlicher Beratungsstellen
Kirchliche Beratungsstellen bieten 2026 ein breites Spektrum an Unterstützungsleistungen für verschuldete Menschen. Die Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie Aschaffenburg beschreibt ihr Angebot als Beratungs- und Unterstützungsangebot für Menschen in finanziellen Krisensituationen. 7 Das Angebot reicht von einmaligen Informationsgesprächen bis zu langfristigen Beratungen mit Schriftverkehr zu Gläubigern. Gemeinsam werden individuelle Lösungswege erarbeitet. Die Diakonische Werke in Württemberg betonen, dass Soziale Schuldnerberatung als Beratungsangebot der Sozialen Arbeit umfassende Hilfestellung gibt, um wirtschaftliche und psychosoziale Stabilität zu erreichen. 8 Die Beratungsstellen arbeiten dabei nicht nur an Schuldenfragen, sondern adressieren auch die zugrunde liegenden Lebenslagen.
Die Unterstützung umfasst konkret die Klärung von Ansprüchen auf Sozialleistungen, Verhandlungen mit Gläubigern, die Vorbereitung von Insolvenzverfahren sowie die Begleitung während des gesamten Entschuldungsprozesses. 9 Charlotte Pleß von der Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann betont: Wenn Miete, Strom oder notwendige Einkäufe nicht bezahlt werden können, entstehen schnell existenzielle Probleme. 1 Die Erkenntnis lautet: Nachhaltige Entschuldung gelingt nur, wenn die Ursachen der Überschuldung analysiert werden.
Ursachen von Überschuldung und präventive Ansätze
Die Überschuldungsquote in Deutschland lag 2024 über 8 Prozent bundesweit, in Baden-Württemberg bei knapp 7 Prozent. 10 Unvorhersehbare Lebensereignisse wie Krankheit, Arbeitslosigkeit und Trennung zählen zu den Hauptauslösern. Laut iff-Überschuldungsreport 2024 führen sie zusammen mit fehlenden Rücklagen zu etwa 40 Prozent der Überschuldungsfälle. 10 Schuldnerberatungen wie die der Diakonie München beobachten, dass besonders junge Menschen durch bargeldlose Zahlungsmethoden den Überblick über ihre Finanzen verlieren. 11 Ein Klick auf dem Handy oder ein Swipe mit der Smartwatch machen es einfach, in die Schuldenfalle zu geraten.
Kirchliche Beratungsstellen reagieren auf diese Entwicklungen mit Prävention und Bildungsarbeit. Die Beratung kann bereits bei Mahnbescheiden oder Vollstreckungsbescheiden helfen und Tipps zur Schuldenprävention geben. 6 Auch die Unterstützung bei der Klärung der eigenen finanziellen Situation gehört zum Angebot. Damit wendet sich die kirchliche Schuldenhilfe nicht nur an bereits stark verschuldete Menschen, sondern auch an solche, die erste Warnsignale bei sich bemerken.
Kapazitäten und Wartezeiten in 2026
Die Nachfrage nach Schuldnerberatung ist ungebrochen hoch, Tendenz steigend. 12 Manche Beratungsstellen arbeiten bereits an der Kapazitätsgrenze. Der SKFM Hilden-Haan betreute 2025 insgesamt 486 Personen oder Familien, eine Steigerung gegenüber den 467 Fällen im Jahr 2024. 12 Die Warteliste für einen Langzeitberatungsplatz betrug teilweise neun Monate oder länger. 12 Während im Jahr 2022 noch 74 Personen auf eine Beratung warteten, waren es 2025 bereits 91 Personen. Ein früheres Auffangen von Ratsuchenden ist mit solch langen Wartelisten nicht möglich.

Im Landkreis Weilheim-Schongau betreute die Schuldnerberatung zum Jahresende 2025 insgesamt 596 betroffene Einzelpersonen und Haushalte, mittlerweile deutlich über 600. 13 Jeder Einzelne dieser über 600 Klienten steht durchschnittlich mit 42.000 Euro in der Kreide. 13 Das macht insgesamt rund 25 Millionen Euro Außenstände. Angesichts solcher Zahlen verstärken kirchliche Organisationen ihre Ressourcen: Der Kreistag beschloss, zwei zusätzliche Vollzeitstellen für die Schuldnerberatung dauerhaft zu schaffen und zu finanzieren. 13
Praktische Unterstützung bei Pfändungsschutz und Freibeträgen
Um den Pfändungsschutz herzustellen oder einen erhöhten Freibetrag zu beantragen, benötigen Verbraucher die Unterstützung ihres Kreditinstituts, von Schuldnerberatungsstellen und unter Umständen auch von Gerichten oder Vollstreckungsbehörden. 4 Eine Beantragung des erhöhten Freibetrags mit Hilfe der sozialen Schuldner- und Insolvenzberatung ist grundsätzlich kurzfristig möglich. Die Beratung ist für Anfragen zur Freibetragerhöhung telefonisch und persönlich erreichbar. Schuldnerberaterin Marina Plückebaum von der Diakonie Paderborn-Höxter erklärt: Das P-Konto soll Menschen in finanziellen Krisensituationen schützen und die Sicherung ihres Existenzminimums gewährleisten. 14 In der Praxis erleben Beratungsstellen jedoch immer wieder, dass Betroffene trotz gesetzlicher Regelungen vor erheblichen Problemen stehen. 14
Die Krefelder Schuldnerberatungsstellen von Diakonie, SKM und SkF erleben regelmäßig, dass Ratsuchende beim Zugang zum eigenen Geld vor erheblichen Hürden stehen. 15 Dazu gehören fehlende oder schwer verständliche Informationen, lange Wartezeiten, komplizierte Abläufe oder Unsicherheiten bei der Umwandlung eines bestehenden Kontos in ein P-Konto. Besonders belastend wird es, wenn das Konto bereits gesperrt ist, wenn es sich um ein Konto im Minus handelt oder wenn ein Gemeinschaftskonto betroffen ist. 15 In solchen Situationen verlieren Betroffene oft wertvolle Zeit, manchmal steht ihnen über Tage oder länger kein Geld für den Alltag zur Verfügung.
Kostenlose Beratung und Erreichbarkeit
Kirchliche Beratungsstellen bieten ihre Schuldnerberatung kostenlos an. Die Diakonischen Werke in verschiedenen Regionen verstand sich als Anlaufstellen für Menschen in schwierigen Lebenslagen. 16 Die erfahrenen und qualifizierten Mitarbeitenden unterliegen der Schweigepflicht, alle Angaben werden vertraulich behandelt. 16 Die Beratung ist offen für alle, unabhängig von Alter, Nationalität oder Religion. Viele Stellen bieten mittlerweile auch Online-Beratung, Videoberatung und Telefonberatung an, um die Erreichbarkeit zu verbessern. Die Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit (KASA) versteht sich als erste Anlaufstelle für alle, die Beratung und Unterstützung brauchen und nach Lösungen aus schwierigen Situationen suchen. 17 Sie kooperiert mit Kirchengemeinden und fungiert auch als Schnittstelle im Netzwerk der Hilfen und Beratung.
Zusammenfassung: Kirchliche Schuldenhilfe als Teil der Daseinsvorsorge
Kirchliche Beratungsstellen sind 2026 zentrale Anlaufstellen für Menschen in Schuldenbergründung und finanziellem Notlagen. Sie bieten kostenfreie, vertrauliche Beratung, die von fachlich qualifizierten Sozialarbeitern und Insolvenzberatern durchgeführt wird. Die Aktionswoche Schuldnerberatung vom 15. bis 19. Juni 2026 zeigt, dass die Themen Pfändungsschutz und Existenzsicherung weiterhin zentral bleiben. 1 2 Trotz steigenden Beratungsbedarfs und teilweise langen Wartezeiten engagieren sich kirchliche Organisationen dafür, dass Betroffene nicht allein gelassen werden. Ihre Unterstützung reicht von präventiver Finanzberatung bis zu Insolvenzverfahren und soll sowohl wirtschaftliche als auch psychosoziale Stabilität erreichen. Dabei arbeiten kirchliche Beratungsstellen eng mit Kommunen, Arbeitsagenturen, Gerichten und Banken zusammen, um ganzheitliche Lösungen zu ermöglichen.